Sozialpädagogische Familienhilfe

Die Sozialpädagogische Familienhilfe (SPFH) ist eine zeitlich begrenzte Unterstützung für Eltern, Jugendliche und Kinder. Die Kontakte finden in der Regel im Lebensraum der Familie statt. Durch beratende Gespräche, modellhaftes Handeln und praktische Unterstützung soll die Familie wieder aus eigener Kraft ihre Ressourcen nutzen und ihren Alltag bewältigen.

Die Erziehung von Kindern stellt in unserer Zeit eine große Herausforderung dar. Es gibt Lebensphasen, in denen alles zu viel ist. Es gelingt nicht mehr, die vielfältigen Aufgaben des Alltags und die Anforderungen der Kinder zu bewältigen.

In kritischen Zeiten geht der Blick für Lösungen und Fähigkeiten verloren. Probleme scheinen immer mehr zu werden. Folgen sind häufig Trennungen, Ärger mit Behörden oder Schule, oder auch Unterbringung eines Kindes im Heim. All dies ist in den meisten Fällen nicht nötig.

Jede Familie hat ihre eigenen Vorstellungen und Fähigkeiten, wie sie ihr Zusammenleben gestalten will. Gehen diese Vorstellungen und Fähigkeiten verloren, kann Hilfe von außen notwendig sein.

Eine Sozialpädagogische Familienhilfe unterstützt

  • wieder die eigenen Fähigkeiten zu nutzen
  • die alltägliche Überlastung abzubauen
  • Erziehungsprobleme zu lösen
  • die Familie zusammenzuhalten.

Inhalt der Hilfen sind

  • Beratung der Eltern in Erziehungsfragen
  • Unterstützung in Fragen der Alltagsbewältigung
  • Umgang mit Konflikten
  • Unterstützung bei schulischen Problemen
  • Hilfe bei der Rückführung von Kindern aus dem Heim
  • Unterstützung bei Problemen mit der Wohnung
  • Hilfe bei der Suche nach Ausbildungs- und Arbeitsplatz
  • Begleitung von Jugendlichen in ihren Belangen
  • Hilfe im Umgang mit Ämtern
  • Hilfe bei der Integration in Angebote des Stadtteils.

Intensive sozialpädagogische Einzelfallhilfe

Nach § 35 SGB VIII soll eine Intensive Sozialpädagogische Einzelfallhilfe (ISE) Jugendlichen gewährt werden, die aufgrund ihrer Biografie bzw. ihres familiären Umfeldes sehr belastet und in ihrer Entwicklung gefährdet sind. Hierbei steht der Jugendliche im Mittelpunkt, wobei seine familiäre Lebenswelt (Eltern, Pflegeeltern, Erzieher in einer Wohnform) mit einbezogen werden.

Jede(r) Jugendliche(r) bedarf der Unterstützung und Begleitung in der schwierigen Lebensphase der Pubertät, in der Identitätsfindung und langsamen Loslösung aus dem bisherigen Lebensumfeld einerseits, Schul- und Berufsausbildung andererseits wichtige Themen sind. Mitunter sind dabei Eltern, Pflegeeltern oder andere Erziehungsberechtigte nicht (mehr) in der Lage, den Jugendlichen die nötige Unterstützung zu geben.

Die Intensive Sozialpädagogische Einzelfallhilfe

  • begleitet die Jugendlichen auf ihrem Weg der eigenen Identitätsfindung
  • berät und vermittelt bei Konflikten mit Eltern bzw. Erziehungsberechtigten
  • unterstützt die Jugendlichen bei Fragen/ Problemen in der Schule oder in der Ausbildung
  • hilft den Jugendlichen, ihren Platz in der Gesellschaft, in ihrem Lebensumfeld zu finden

Inhalte der ISE sind

  • Gespräche mit den Jugendlichen über aktuelle Fragen und Probleme
  • Reflexion des eigenen Verhaltens bzw. dessen Wirkung auf andere
  • Unterstützung der Jugendlichen beim Finden eigener Interessen
  • Vermittlungsgespräche zwischen Jugendlichem/r und Eltern bzw. Erziehungsberechtigten
  • Gespräche mit Lehrern oder Ausbildern
  • Suche nach einer geeignete Schule, Ausbildungsstelle oder Arbeit
  • Suche nach einer anderen Wohn-/Lebensform

Erziehungsbeistandschaft

Erziehungsbeistandschaft (EB)nach § 30 SGB VIII hat Kinder und Jugendliche sowie deren Eltern bzw. Sorgeberechtigte im Blickfeld. Das Kind oder der Jugendliche wird als Einzelperson wahrgenommen, seine Anliegen ernstgenommen und gleichzeitig wird die Verbindung zu seinem familiären und sozialen Umfeld gesehen und mit einbezogen. Die Arbeit erfolgt im Lebensumfeld des jeweiligen Kindes/Jugendlichen.

EB ist eine intensive Unterstützung und Begleitung des Kindes und Jugendlichen sowie seiner Familie. Alle Familienmitglieder können die Fachkraft in allen Belangen ansprechen und können von ihr Beratung erhalten. Im Unterschied zur SPFH, wo überwiegend mit den Eltern gearbeitet wird, steht hier das Kind oder der Jugendliche im Mittelpunkt.

Inhalte der EB sind:

  • Die Kommunikationsfähigkeit der Familienmitglieder stärken
  • Unterstützung dabei, familiäre Belastungen abzubauen und den Familienzusammenhalt wiederherzustellen
  • Hilfe bei der (Wieder-)Entdeckung der positiven Seiten der Kinder oder Jugendlichen
  • Stärkung der Erziehungsfunktion der Eltern
  • Unterstützung in Fragen der Alltagsbewältigung
  • Aufbau und Stärkung der Konfliktfähigkeit und des Selbstwertgefühls der Kinder, Jugendlichen und Eltern
  • Umgang und Vermittlung bei häuslichen Konflikten
  • Begleitung und Unterstützung in schulischen und beruflichen Fragen
  • Hilfe bei der Integration in Angebote des Gemeinwesens
  • Unterstützung bei der Ablösung von Jugendlichen
  • Unterstützung von älteren Kindern, nach einer Zeit der Fremdunterbringung wieder den Zugang zu ihrer Familie zu finden
  • Förderung der Verselbständigung der Jugendlichen unter Beibehaltung des Familienbezuges

Aufsuchende Familientherapie

Die Aufsuchende Familientherapie ist eine Hilfeform nach § 27,3 SGB VIII für Familien mit multiplen Problemlagen. Sie basiert auf den Grundlagen der systemischen Familientherapie.

Die Aufsuchende Familientherapie ist ein qualitativ hochwertiges therapeutisches Angebot mit einem niederschwelligen Zugang, da die Familien in ihrem familiären Umfeld aufgesucht werden. Sie erweist sich sowohl bei Familien, die freiwillig Hilfen in Anspruch nehmen, als auch bei Familien, die im Rahmen eines Zwangskontextes durch den Allgemeinen Sozialen Dienst Hilfen zugewiesen bekommen, als geeignet. Druck und Zwang können konstruktiv in der Arbeit mit den Familien genutzt werden.

Die AFT bietet im co-therapeutischen Team ein breites Repertoire an Methoden. Sie eignet sich unter anderem bei komplexen Situationen in Familien, bei verhärteten Kommunikationsstrukturen und auch bei großen Helfersystemen.

AFT zeichnet sich dadurch aus, dass die Therapeuten die Komplexität des Familiensystems im Blick behalten, Ressourcen aktivieren und die Familienmitglieder anregen, Interaktions- und Kommunikationsmuster zu bearbeiten und eigene Problemlösungen zu entwickeln.

Ziel der AFT ist es, durch familientherapeutische Gespräche und maßgeschneiderte Interventionen die Selbsthilfekräfte der Familie zu stärken und vorhandene Ressourcen bewusst zu machen und zu nutzen.

Die AFT zielt direkt auf notwendige Veränderungen in Familien und belässt gleichzeitig die größtmögliche Verantwortung bei den Familien. Die Eltern sollen durch die AFT soweit unterstützt werden, dass sie wieder ihre elterliche Verantwortung übernehmen.

Die Aufsuchende Familientherapie richtet sich an:

  • Familien mit auffälligen Kindern oder Jugendlichen, die von bestehenden Angeboten nicht erreicht werden, bzw. für die diese Angebote nicht ausreichen, z.B. Kinder oder Jugendliche mit sozial auffälligem Verhalten oder massiven Schulproblemen.
  • Familien, in denen die Erwachsenen so sehr in eigene Schwierigkeiten verstrickt sind, dass sie aus der elterlichen Kraft gehen und den Blick für die Bedürfnisse des Kindes verlieren und/oder sich in ihrer Elternrolle als hilflos erleben.
  • Familien, die selber den Blick auf eigene Ressourcen verloren haben und hoffnungslos sind.
  • Familien, die sich in einem Abklärungsprozess einer Kindeswohlgefährdung befinden
  • Familien, in denen die Rückführung eines Kindes nach einer Fremdunterbringung ansteht.
  • Familien, die sich in einem Zwangskontext befinden: Freiwilligkeit und Motivation sind in der AFT keine Voraussetzungen. Die Unfreiwilligkeit wird in der Arbeit als eine Ressource genutzt.

Video-Home-Training

Video-Home-Training stellt eine zeitlich begrenzte Unterstützung für Eltern dar. Sie dient zum Aufbau und zur Stärkung einer guten Eltern-Kind-Beziehung sowie zur Förderung und Stärkung der elterlichen Erziehungskompetenz. Dies gelingt, indem Eltern in ihrer Erziehungskompetenz und in ihrem Selbstwertgefühl so gestärkt werden, dass sie (wieder) eigene konstruktive Lösungswege entwickeln und  ihren Kindern zum Modell für einen gelungenen Umgang miteinander werden.
Sie kann vom Jugendamt als eigenständige Hilfeform nach § 31 SGB VIII in Verbindung mit § 27 SGB VIII gewährt werden. Bei der AGFJ Heidelberg/Rhein-Neckar wird VHT oft unterstützend bei SPFH-Familien eingesetzt.

Hauptbestandteil im VHT ist die Basiskommunikation, abgeleitet aus der natürlichen Mutter-Kind- Kommunikation der ersten Beziehung. Sie gilt als Muster für gelungene Kommunikation und bezieht sich auf alle Lebenszusammenhänge.

Einzelne Elemente sind des Video-Home-Training sind:

  • Aufmerksamkeit füreinander haben (Zuwendung und Blickkontakt)
  • Einander mit Zustimmung folgen (Empfang bestätigen durch Nicken oder bejahen)
  • Sich auf eine angenehme Art und Weise unterhalten (fortlaufender Austausch)
  • Gleichmäßige Verteilung der Aufmerksamkeit zwischen den Familienmitgliedern (jeder kommt an die Reihe)
  • Empfangen, lenken und leiten der Kommunikation
  • Loben, anerkennen
  • Kooperativ miteinander umgehen (geben und nehmen können)
  • Abwechselnd die Initiative ergreifen in Bezug auf Vorschläge machen, Pläne schmieden, nach Lösungen suchen.

Die Kommunikationsregeln wurden abgeleitet und entwickelt aus den Ergebnissen der Entwicklungspsychologie und der Kleinkindforschung, der Verhaltensforschung sowie der Kommunikationstheorie.

Folgende Inhalte sind Themen eines VHT-Trainings:

Auf der Ebene der Wahrnehmung der Kinder

  • Die Kinder neu und genauer wahrnehmen.
  • Ihre Bedürfnisse und Fähigkeiten (wieder) erkennen.
  • Initiativen der Kinder sehen und die Reaktionen darauf reflektieren.
  • Entwicklung eines realitätsgerechten Bildes der Kinder.

Auf der Ebene des eigenen Erziehungsverhaltens:

  • Die eigenen Erziehungskompetenzen erkennen und erweitern.
  • Adäquate Interventionen und Handlungsmuster für den Alltag entwickeln.
  • Die Wirkweise gewisser positiver Handlungen erkennen und im Alltag bewusst einsetzen.
  • Erarbeitung einer klaren, kompetenten Erziehung.
  • Problematische Situationen enthalten in ihrem Kern die Möglichkeit, bei der nächsten ähnlich gelagerten Situation anders zu reagieren.

Auf der Ebene der Kommunikation:

  • Empfangen der verbalen und non-verbalen Signale der Kinder.
  • Lenken und Leiten der Kinder durch gute Basiskommunikation.
  • Verbesserung der innerfamiliären Kommunikation, evtl. auch zwischen den Eltern.

Elternkurse

Die Elternkurse sind ein niederschwelliges Gruppenangebot, in dem Eltern Gelegenheit erhalten, sich zu Themen der Alltagsbewältigung und Erziehung auszutauschen und Informationen zu erhalten. Im Mittelpunkt der Treffen steht ein bestimmtes Thema. Bei der Themenauswahl orientieren wir uns an den Interessen und aktuellen Problemlagen in den Familien.

Ziele der Elternkurse sind die Stärkung der Erziehungskompetenz durch Informationen, Besprechung der persönlichen Probleme, Einüben von neuen Erziehungsstrategien, Verbesserung der Kommunikationsfähigkeit sowie Aktivierung und Motivierung der Eltern. Wir möchten mit der Elternschule die Freude am Zusammenleben mit den Kindern wecken und den Mut zur Erziehung vermitteln.

Die Elternkurse sind als fortlaufendes Angebot konzipiert, wobei die Eltern sich jeweils neu für einzelne Kurse anmelden können. Ein Kurs besteht in der Regel aus 5 bis 6 Terminen mit einer Dauer von jeweils 2 Stunden. Bei Bedarf wird eine Kinderbetreuung angeboten.

Ausgewählte Kurse können durch das STÄRKE-Programm des Landes Baden-Württemberg gefördert werden. Mit diesen Kursen sollen vor allem alleinerziehende Elternteile, junge Eltern, Familien mit Migrationshintergrund und Familien, die sich in anderen schwierigen Situationen (u.a. Trennung, Krankheit, Sucht, prekäre finanzielle Verhältnisse) befinden, angesprochen werden. (hier kann es stehen bleiben)

Folgende Kurse sind bei Bedarf im Angebot:

  • Positiv und konsequent erziehen
  • Wenn zwei sich streiten, leidet der Dritte ?!
  • Mein Kind, die Schule und ich
  • Kleine Kinder -kleine Sorgen, große Kinder-große Sorgen
  • Mein Kind hat AD(H)S - und jetzt?
  • Alltagsmanagement
  • Pubertät ist, wenn die Eltern schwierig werden
  • Hilfe, mein Kind trotzt